Neben den für das gesamte Förderzentrum geltenden Vorgehensweisen, Haltungen und Zielen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit sozial-emotionalen, sprachlichen und lernbezogenen Beeinträchtigungen gibt es am intensivpädagogischen Standort Von-der-Helm-Straße Besonderheiten, die für eine erfolgreiche Rückführung der Schülerinnen und Schüler in ein größeres Schulsystem erforderlich sind. Diese helfen den stark vorbelasteten jungen Menschen, in einem individuellen Prozess emotional und sozial soweit gestärkt und zunehmend schulisch gefördert zu werden, dass sie mittel- bis langfristig an Förderklassen des Zentrums und an Regelschulen rückgeführt werden können.
Am intensivpädagogischen Standort bilden die 4 sonderpädagogischen Lehrkräfte sowie die Grundschullehrerin ein Team, das gemeinsam:
- durchgängig Absprachen trifft
- sich organisiert
- Entscheidungen fällt
- Konsequenzen/ Ordnungsmaßnahmen beschließt
Dabei werden die Diplompädagogin sowie der Schulsozialarbeiter in aktuelle Abläufe aktiv einbezogen und ihr Einsatz individuell vereinbart.
Die Schülerinnen und Schüler erhalten in allen Bereichen eine individuelle Förderung, die im Folgenden benannt/ beschrieben und durch Beispiele verdeutlicht wird.
- Tagesstruktur
- Individueller Stundenplan
- Einzelförderung
- Reflexionsphasen
- Mitteilungshefter
- Direkte Konfliktlösungsgespräche
- Individuelle Ziele
- Pausengestaltung
- Sozialtraining
- Intensiver Einbezug aller am Erziehungsprozess Beteiligten
Tagesstruktur
Die klar vorgegebene Struktur des Schultages schafft Verlässlichkeit und gibt den Kindern/ den Jugendlichen Sicherheit.
Ablauf:
- Gemeinsamer offener Anfang (soziales Lernen bei (Gesellschafts-) Spielen, Einschätzung des emotionalen Zustands der Kinder, Raum für Fragen, Wünsche und den allgemeinen Austausch)
- Erste Arbeitsphase (in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch)
- Hofpause
- Zweite Arbeitsphase (Kernfächer, weitere Schulfächer)
- Hofpause
- AG´s, Sport/Schwimmunterricht
Individueller Stundenplan
Jede Schülerin/ jeder Schüler hat im Laufe der bisherigen Schulkarriere und seines Lebens allgemein unterschiedlichste Erfahrungen gemacht, die sie/ ihn prägen. In vielen Fällen ist eine Beschulung mit vollem Stundenplanumfang nicht realisierbar, bzw. nicht vom Kind/ vom Jugendlichen leistbar. Daher ist es bedeutsam, ihnen den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend ein individuelles Angebot einzurichten, das stetig auf sinnvolle Erweiterung überprüft wird.
Einzelförderung
Je nach Bedarf und rahmenbedingter Möglichkeit werden Schülerinnen und Schüler stunden-, phasen- oder tageweise einzeln gefördert.
Reflexionsphasen
Zweimal täglich erhalten die Schülerinnen und Schüler ein Feedback zu ihrer Mitarbeit und ihrem Sozialverhalten (auch für die Pausenzeiten und die Hausaufgaben). Dabei lernen sie auch, ihr Verhalten zu reflektieren, sich selbst einzuschätzen und sie erhalten angemessenes Lob für ihre Bemühungen. Mit Kindern/ Jugendlichen, die an einer AG teilnehmen, werden ihr Verhalten sowie ihre Mitarbeit auch hier im Anschluss besprochen.
Mitteilungshefter
Der Mitteilungshefter ist ein wichtiges Instrument zur Dokumentation der Entwicklung jedes Kindes/ jedes Jugendlichen und der Information der Eltern darüber. Hier werden in einem Wochenplan täglich Punkte für Hausaufgaben, Mitarbeit, Sozialverhalten, Pausen und das jeweilige Wochenziel eingetragen. Zusätzlich werden die aktuellen Hausaufgaben notiert. Ferner gibt es ein Feld für Mitteilungen, die sowohl von den Lehrkräften als auch den Eltern genutzt werden. Auch Elternbriefe werden in diesem Hefter weitergeleitet.
Direkte Konfliktlösungsgespräche
Schülerinnen und Schüler, die an diesen Standort kommen, haben stark eingeschränkte soziale Kompetenzen und geraten schnell in Konflikte, die sie weder friedlich noch ohne Hilfe lösen können. Oft müssen direkt Gespräche geführt werden, um die Gemüter zu beruhigen und ein Sich-Einlassen auf Unterricht wieder zu ermöglichen. Diese brauchen meist mehr Zeit, als in der Reflexionsphase nach der Pause gegeben ist und müssen von einer Lehrkraft geführt werden, damit der Unterricht von der anderen fortgesetzt werden kann.
Darüber hinaus ist ein besonderes Merkmal an diesem Standort die präventive Arbeit. Allein über die enge Beziehung zu den einzelnen Kindern/ Jugendlichen können so:
- schnell entstehende Konflikte erkannt und entschärft/verhindert,
- Sorgen und Nöte erkannt und gezielt angesprochen,
- bereits bestehende Probleme nach Bedarf durch Einzelgespräche angegangen und bis zur Lösung begleitet werden.
Unerlässlich ist, dass jeder sich mit all seinen Problemen, Auffälligkeiten und Besonderheiten ganzheitlich angenommen und wertgeschätzt fühlt. Im Zusammenspiel mit den beschriebenen individuell zugeschnittenen Fördermaßnahmen ist so eine stets positiv geprägte zielführende Zusammenarbeit möglich.
Individuelle Ziele
Je nach Situation eines Kindes/ eines Jugendlichen werden (mit ihm gemeinsam) individuelle Ziele vereinbart, die es bei Erfüllung dazu befähigen, wieder Teil eines größeren Schulsystems zu sein. In den meisten Fällen besteht besonders großer Bedarf an der Arbeit im sozialen Miteinander, sowie der persönlichen Stärkung:
- Regeln verstehen und einhalten
- freundlicher Umgangston
- Konflikte friedlich regeln
- Respekt vor sich und anderen
- andere Meinungen akzeptieren
- Frust aushalten
- verlieren können
- Lob annehmen und anderen Erfolge zugestehen
- eigenes Verhalten reflektieren
- sich selbst einschätzen lernen
Pausengestaltung
Die Pausen werden auf dem großen Hof zur Bewegung intensiv genutzt. Diese tut den Schülerinnen und Schülern besonders gut, da ihnen die Konzentrationsphasen in der Klasse viel abverlangen. Dazu erhalten sie verschiedene Spielgeräte wie Roller, Skate- und Waveboards, Tischtennisplatte, Bälle, Inliner, etc.
Sozialtraining
Einmal wöchentlich bietet ein Sozialpädagoge Sozialtrainingseinheiten an. In Kleingruppen von 1 – 3 Kindern/ Jugendlichen werden akute Konflikte des Schulalltags bearbeitet und alternative Verhaltensweisen eingeübt. Darüber hinaus können die Schülerinnen und Schüler im Regelspiel neue Interaktions- und Kommunikationsformen kennenlernen, ihr Verhaltensrepertoire erweitern und/ oder einfach nur Spaß haben.
Intensive Einbeziehung aller am Erziehungsprozess Beteiligten
Die Kinder und Jugendlichen brauchen neben einem strukturierten Schulalltag vielfache außerschulische Hilfen. Damit jedem Einzelnen effektiv geholfen werden kann, ist eine Vernetzung/ Kooperation der einzelnen Institutionen (wie Tagesgruppen, Therapeuten, klinische Einrichtungen, Jugendamt, Sozialamt, etc.) unabdingbar. Der Austausch z.B. in Fachkonferenzen oder Telefonaten ermöglicht eine sinnvolle Zusammenarbeit im Sinne der bestmöglichen Förderung einer jeden Schülerin/ eines jeden Schülers.